Kakao – Agrarrohstoff mit steigender Bedeutung

Kakaopreis

Kakao – Agrarrohstoff mit steigender Bedeutung

Kakao gehört zu den wichtigsten Agrarhandelsgütern weltweit und findet daher natürlich auch seinen berechtigten Platz in der Reihe der verschiedenen Agrarrohstoffe, die von der H. Jürgen Kiefer GmbH an den entsprechenden Warenterminbörsen gehandelt werden. Besonders für Deutschland als weltweit größter Exporteur von kakaohaltigen Produkten und Schokoladenerzeugnissen spielt der wertvolle Rohstoff in seinen unterschiedlichen Verarbeitungstiefen eine besonders wichtige Rolle.

Der Anbau, die Ernte und die entsprechende Weiterverarbeitung von Kakao bilden die Einkommensgrundlage für 40 bis 50 Millionen Menschen weltweit und bekräftigen indes einmal mehr die globale Bedeutung dieses Rohstoffs. Die landwirtschaftliche Produktion erfolgt überwiegend in West- und Zentralafrika. Hierbei sind besonders die Länder Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun und Nigeria aufzuführen. Mit deutlich über 60 % der weltweiten Kakaoproduktion bilden die Elfenbeinküste und Ghana die größten Erzeugerländer für Rohkakao. Weitere nennenswerte Anbaugebiete befinden sich mit Indonesien in Ostasien und mit Ecuador, Brasilien und Peru in Mittel- bzw. Südamerika. Der Kakaoanbau wird zu 90 bis 95 % von Kleinbauern ausgeübt und auf dessen kleinstrukturierten Flächen zwischen ein bis drei Hektar Größe betrieben. Die gesamte Kakaoproduktion im Jahr 2016 umfasste ca. 4,2 Millionen Tonnen, wovon knapp 40 % in Europa verarbeitet wird. Allein in Deutschland werden etwa 10 % der weltweiten Kakaomenge zu hochwertigen Schokoladenerzeugnissen weiterverarbeitet. Mit diesem Anteil wird der Stellenwert Deutschlands als weltweit führender Verarbeiter, Produzent und Exporteur von Schokoladenprodukten weiter untermauert.

Im Hinblick auf die Wertschöpfungskette vom Anbau der Kakaobohne bis hin zum Abverkauf des fertigen Endprodukts lassen sich mehrere Ebenen eindeutig voneinander abgrenzen. Der klassische Kakaoanbau und die anfängliche Verarbeitung inklusive der Trocknung und des Verpackens in Säcken und Lagern bilden die erste Stufe der Wertschöpfung. Die zweite Ebene in der Kette der Kakaoverarbeitung erstreckt sich über den ersten Handel der Ware zwischen den Kleinbauern und den entsprechenden Aufkauforganisationen bzw. Exporteuren, die für den Transport der Ware in die vorhandenen Häfen sorgen. Die Ebene der Weiterverarbeitung beschäftigt sich mit der Zwischenlagerung, dem Brechen der Bohnen und dem Rösten und Vermahlen zur Kakaomasse. Im nächsten Schritt der Herstellung wird die vorhandene Kakaomasse weiterverarbeitet. Dabei wird die Masse zu Kakaobutter und Kakaopulver ausgepresst und entsprechend zu Schokolade, Kosmetika und pharmazeutische Produkte oder Kakaopulver aufbereitet. Das anschließende Verpacken der Endprodukte gehört ebenso zur Stufe der Herstellung. Der Einzelhandel bildet mit dem Transport in die Geschäfte und dem Verkauf an den Endverbraucher die abschließende Stufe in der Wertschöpfungskette des Rohstoffs Kakao.

Die aktuellsten Zahlen hinsichtlich des Exportvolumens von Schokoladenerzeugnissen bestätigen den steigenden Stellenwert der Verarbeitung von Rohkakao bzw. Halberzeugnissen am Standort Deutschland. Mit über 780.000 t Schokolade und kakaohaltigen Produkten hat Deutschland zwischen Januar und November des vergangenen Jahres eine Steigerung der Exportmenge um 2,9% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum generiert. Der entsprechende Wert der geleisteten Ausfuhren betrug insgesamt 3,7 Milliarden Euro und weist eine steigende Tendenz aus. Vor diesem Hintergrund und unter Berücksichtigung der verschiedenen Teilnehmer entlang der Wertschöpfungskette gewinnen die weltweiten Preisbildungsmechanismen des Kakaorohstoffs fortlaufend an Bedeutung. Schon seit langem sind es nicht mehr nur die klassischen Einflussfaktoren, die das weltweite Rohstoffangebot und die globale Nachfrage bestimmen. Einen mindestens ebenso großen Anteil an der Kakaopreisbildung haben die umkämpften Geschäftsverhältnisse innerhalb der Wertschöpfungskette, die aufgrund von realisierten Fusionen entsprechender Marktteilnehmer noch zusätzlich intensiviert werden können.

Ähnlich wie andere Agrarrohstoffe verzeichnet auch der Kakaomarkt eine spürbar zunehmende Volatilität der Rohstoffpreise. Das Beispiel aus dem Jahr 2016 verdeutlicht mit seinen stark volatilen Preisen, welche extremen Preisschwankungen innerhalb eines absehbaren Zeitraums möglich sind. Hierbei wurden Höchstpreise von 3.348 USD je Tonne erzielt, wobei ebenfalls im gleichen Jahr der niedrigste Tagespreis bei 2.167 USD je Tonne zu verzeichnen war. Besonders diese einprägsamen Preissprünge zeigen das Risiko, was sich für alle Marktteilnehmer der Wertschöpfungskette hinter ähnlich volatilen Preisentwicklungen verbergen kann. Sowohl auf der Erzeuger- als auch auf der Abnehmerseite lassen sich diese Risiken zumindest anteilig durch verschiedene Preisabsicherungsinstrumente abfedern. Ein zentrales Element spielen in diesem Zusammenhang die Warenterminbörsen in New York (ICE) und London (NYSE-LIFFE), an denen der Agrarrohstoff Kakao täglich gehandelt wird, um Erzeugern und Verarbeitern die Absicherung ihrer zukünftigen Ein- und Verkaufspreise zu ermöglichen. Als die beiden bekanntesten Instrumente der Preisabsicherung sind in diesem Kontext Futures und Optionen zu nennen, die in ihren Besonderheiten und Eigenschaften schon durch die klassischen  Agrarrohstoffe bekannt sind. Die Börsennotierungen bzw. Future-Preise stehen dabei im engen Zusammenhang zur Preisbildung der tatsächlich gelieferten (physischen) Ware und bilden die Handlungsgrundlage für den Großteil aller Marktteilnehmer des physischen Handels.

Nicht nur die vorab beschriebenen Aspekte der Preisabsicherung und die Bedeutung der einzelnen Stufen innerhalb der Wertschöpfungskette, sondern auch die zahlreichen Erwartungen und Zukunftsperspektiven, die dem Agrarrohstoff prophezeit werden, bestätigen die Bedeutung und den Stellenwert des Kakaos innerhalb der bedeutendsten und zukunftsfähigsten Agrarhandelsgütern weltweit.