Ölsaatenmarktbericht

Die Sojabohne schloss am Freitag im Plus. Dennoch enttäuschte sie auf ganzer Linie. Der Schlusskurs lag im Vergleich zum Tageshoch auf einem elend niedrigen Niveau. Ähnliches gilt für die Produkte. Sojaschrot konnte seine Gewinne auch nicht halten und machte einen Kotau vor den Bären. Auch hier waren die teilweise sehr guten Zugewinne nicht zu halten. Im Sojaöl fielen die Würfel früher. Hier war beizeiten klar, dass es abwärts gehen würde. Die Maibohne scheiterte an der 9,40 US$-Marke, das Maischrot scheiterte an der 320,- US$-Marke, und das Maisojaöl scheiterte an der Marek von 31 cts/Ibs. In der Gesamtschau ist der Sojakomplex damit dreimal an den wichtigsten Hauptwiderständen, die es derzeit charttechnisch zu beobachten gilt, abgeprallt. Die Durchstoßoffensive ist misslungen. Die Verteidigungsstellungen der Bären haben sich als zu stark erwiesen. Im Zuge der sino-amerikanischen Handelsgespräche gab es positive Exportmeldungen. Die Chinesen sollen weitere US-Bohnen gebucht haben. Die Nachrichten hierüber widersprechen sich jedoch etwas. Die einen sprechen von einer Million Tonnen, andere Quellen wollen wissen, das mindestens 2,2 mio to Bohnen gebucht worden sind. Der Bohne war beides zu wenig! Sie setzte angesichts des Ausbleibens wirklicher Sensationsnachrichten wieder zurück und gab die zwischenzeitlichen Gewinne wieder ab. Das magere Plus, das am Ende zu Buche schlug, kann darüber nicht hinweg täuschen. Wir sind wieder soweit, wie wir waren....in die Ausgangsstellung zurückgeworfen. Aber halt, nein, ganz so pessimistisch darf man die Situation dann doch nicht schildern. Imemrhin hat in der Bohne und im Sojaöl die 200-Tagelinie gehalten! Dieser äußerst wichtige Durchschnitt gehört trotz des sehr häßlichen Rücksetzers vom Freitag nach wie vor den Bullen. Im selben Atemzug muss aber erwähnt sein, dass diese neuralgischen Durchschnitte derzeit bedroht sind und Gefahr laufen, durchbrochen zu werden. Warten wir´s ab! Die handelsgespräche haben nichts wirklich Substanzielles gebracht. Ein echter Durchbruch sieht anders aus. Möglicherweise sind Ergebnisse erzielt worden, die bislang noch nicht bekannt sind. Hinter der offiziellen Agenda steht bei derartigen Terminen immer noch eine inoffizielle. Wer weiß, was man hinter den Kulissen miteinander gesprochen und verabredet hat? Der venezolanische Regierungskonflikt dürfte nicht dazu beitragen, Einmütigkeit herzustellen, denn die USA stützen die Opposition und China und Russland stützen den amtierenden Präsidenten Maduro.

 Apropos, sollte uns die ganze Geschichte nicht zu denken geben? In den USA gab es doch nach der Wahl von Donald Trump einen Riesenaufschrei, weil sich angeblich die Russen in die US-Wahl eingemischt hätten. Mit Hackerangriffen in Internetforen hätte man die öffentliche Meinung in Richtungen getrieben, die sie ohne Einmischung nicht würde eingeschlagen haben. Es war und ist immer noch ein Riesenaufreger. Dass sich die USA nun  selbst in Venezuela unverhohlen einmischen und jetzt sogar mit militärischem Einschreiten drohen, scheint hingegen kein Problem zu sein. Weltpolitik ist die lächerlichste und niederträchtigste Schmierenkömödie, die es überhaupt nur gibt. Es geht ausschließlich um knallharte wirtschaftliche Interessen, der Rest ist Tralala für romantische Tagträumer. Es geht im Kern immer um dieselbe Fragestellung: Was tut die bewaffnete Macht?

Winnipeg: In Kanada geschah am Freitag nichts. Zwar hatte man zwischenzeitlich Ambitionen zu steigen, aber man konnte sich ebensowenig durchsetzen wie die Bohne. Als klar war, dass nach oben nichts zu holen war, setzte man auch hier zurück. Morgen komtm der Quartalsbestandsbericht des StatsCan heraus. Bei Canola erwartet der Markt eine Bestandszahl zum 31. 12 in Höhe von 14,7 mio to (13,937 mio to im Vorjahr).

Matif: Raps hat am Freitag seitwärts tendiert. Am Ende ging man unverändert aus dem Handel bzw. mit einer schwarzen Null. Die Aufwärtsdynamik, die seit Jahresbeginn den Markt getrieben hatte, ist erloschen. Das Momentum ruht! Dennoch hat man wichtiges Terrain erobert und die wichtigsten gleitenden Durchschnitte durchstoßen. Wenn man das alles konsolidieren kann, wäre ein ideales Fundament für weitere zukünftige Preisaufschwünge gelegt. Bis es soweit ist, üben wir uns in Geduld und beobachten den Pflanzenölmärkte. Wir sollten ein wesentliches Augenmerk auf die Palmölpreise legen, denn hier könnte es alsbald zu einem wirklich bedeutsamen Ereignis kommen...wenn der Preis nämlich den Widerstand bei 2250,- Ringgit durchstößt...oder auch nicht.

Der gigantomansiche Bauwahn des Reiches der Mitte hat eine weitere Blüte getrieben. Die Chinesen wollen mit zwei riesigen Kanalsystemen den Yangtze mit dem Pearl verbinden. Verbesserungen bei Schifffahrt, Bewässerung, Tourismus und Flutprävention seien die erstrebten Ziele. Das Projekt würde, falls es durchsetzbar ist, in 2035 abgeschlossen sein. Das Problem liegt in der Zustimmung der Bevölkerung, denn der Drei-Schluchten-Staudamm war auch nicht einfach durchzusetzen, sondern traf auf heftigen Widerstand. Kommunistische Befehlswillkür macht viel möglich, aber wenn in letzter Instanz die Bevölkerung opponiert, geht auch mal die Macht flöten.

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