Ölsaatenmarktbericht

Die Sojabohne war gestern sehr ambitioniert. Sie machte Anstalten, die 200-Tagelinie zu erobern. Eine zeitlang sah es so aus, als gelänge dies auch, aber am Ende reichte es dann doch nicht. Die Bohne gab die Zugewinne wieder her, fiel unter die 200-Tagelinie und settelte mit Verlusten. Der Löwe hat zwar gebrüllt, aber nicht zugebissen. Heute morgen schlagen erneut Kurszuwächse zu Buche, und die Bohne notiert oberhalb der eben erwähnten Linie (siehe auch Chart auf der zweiten Seite). Aus charttechnischem Blickwinkel sieht das nicht schlecht aus. Der fundamentale Hintergrund wird fast ausschließlich von der Politik bestimmt. Momentan laufen die sino-amerikanischen Handelsgespräche. Zuletzt äußerte sich Donald Trump positiv und meinte, dass es durchaus eine Einigung geben könne. Da wir alle die Sprunghaftigkeit des US-Präsidenten kennen, müssen derartige Einschätzungen nicht unbedingt von Dauer sein. Hier kann sich der Wind schnell drehen. Trotzdem muss man davon ausgehen, dass es nach all den Monaten diplomatischen Gezänks und gegenseitiger handelspolitischer Absperrungspolitik nunmehr ein Punkt erreicht ist, wo beide Seiten ein deutlich höheres Maß an Einigungswilligkeit besitzen. Sowohl die Chinesen als auch die Amerikaner sollten sich von beiden Seiten her der politisch-diplomatischen Mittellage angenähert haben. Der Donald ist zwar für seine wild hochfahrenden Stimmungsschwankungen und seine hemmungslose Entschlossenheit zum Unmöglichen bekannt, dennoch sollte sich inzwischen auch sein Gemüt etwas abgekühlt haben - schließlich haben die Amerikaner im Mittelwesten eine Kältewelle von -40° und darunter auszuhalten. Das sollte doch auch dem Donald etwas von seiner Hitzköpfigkeit genommen haben. Bei minus 40° liegt man sich nicht mehr schussbereit gegenüber, sondern sucht einen Verständigungsfrieden auszuhandeln. Wenngleich man nicht übersehen darf, dass Trump trotz allem mit Maximalforderungen an China die Gespräche hat eröffnen lassen. Es entspäche auch nicht seinem Wesen, erst einmal weniger als Zuviel zu verlangen. Wir dürfen gespannt sein; ich glaube, dass es eine Einigung geben wird. Was war sonst noch wichtig? Die Buenos Aires Grain Exchange sieht die argentinische Bohnenproduktion nach wie vor bei 53 mio to. Der Markt hat die örtlich exzessiven Niederschläge genau beäugt, aber sie wohl für die Bohne als unkritisch eingestuft. Die BAGE hat das nun in Zahlen bestätigt.

 

Die EU und Argentinien haben sich im Biodieselstreit geeinigt. Nächten Monat sollen Quoten und Preise bekannt gegeben werden, zu denen der Import von argentinischem Biodiesel stattfinden kann. Hm, was soll man nun davon halten? Offenbar wollen beide Seiten den Streit nicht bis zum bitteren Ende vor der WTO ausfechten. Gleichzeitig dürfte der Kompromiß aber auch das Eingeständnis enthalten, dass in Argentinien nicht alles wto-konform vonstatten geht. Denn andernfalls bräuchte Argentinien die EU-Vorwürfe über unzulässige Subventionierung nicht zu fürchten. Diese Subventionierung war übrigens seinerzeit auch der Grund, warum Donald Trump den argentinischen Biodiesel mit Strafzöllen belegt und die US-Grenzen dadurch praktisch dicht gemacht hat.

Winnipeg: In Kanada waren die Canolapreise zuletzt wieder rückläufig. Die Eroberung des 50-Tage-EMA´s war nicht von Dauer. Stattdessen ist man in alte Seitwärtsregionen zurückgeschnappt...- zurückgeschnappt, nicht übergeschnappt!

Matif: Gestern ist der Februartermin mit einem Verlust von 5,25 bei 375,- € ausgelaufen (Datengrundlage CQG). Tags zuvor hatte man sogar die 380,- € überwinden können. Der Maitermin hat sich im ZUge der fallen den Notierungen von der Marke 375,-€ nach unten hin wegbewegt. Der Schlusskurs Mai liegt bei 372,- €. Zur Information: Bei 371,- € sollte eine echt starke Unterstützung liegen. Diese besteht aus dem 50-Tage-EMA und der 200-Tagelinie. Das sollte erst einmal halten.

Die Rübölpreise in Rotterdam sind weiterhin vorne am festesten, aber hinten heraus notiert man weiterhin komfortabel über der 700,- €/to-Marke. Solange das so ist, muss man unseren Raps nicht verloren geben. Gestern dürfte einfach die Auslauftechnik den Markt im Griff gehabt haben. 

Am Kassamarkt springen die hohen zweithändigen Prämien auf Hamm ins Auge. Man berichtet über mindestens +14,-€ auf 2/3.