Ölsaatenmarktbericht

Die Sojabohne legte gestern zweistellig zu und durchstieß den 50-Tage-EMA. Die Bullen lagen in Front und waren nicht willens, diese Position preiszugeben. Die Bären kuschten. Neben der Festigkeit in der Bohne waren auch Gewinne in den Produkten zu beobachten. Sowohl Sojaöl als auch Sojaschrot stiegen gestern an. In beiden Märkten zeigte sich charttechnische Bodenbildungsaktivität. Die Bohne war fester, weil es pflanzenbauliches Ungemach in Südamerika gibt. Im Norden und im Zentrum Brasiliens war es zu trocken, sodass die Bohne ihre volle Ertragskraft nicht hat ausschöpfen können. In Mato Grosso wiesen bereits die ersten Frühdrüsche auf diese Entwicklung hin, aber sie waren seinerzeit noch nicht aussagekräftig genug, um sich wirklich Sorgen machen zu müssen. Das hat sich nun geändert. Die Tendenz der reduzierten Erträge hat sich fortgesetzt, und nun muss man die Situation neu bedenken und bewerten. Das kann man aber erst dann halbwegs verlässlich tun, wenn die Druschaktivität volle Fahrt aufgenommen hat - also etwa in zwei Wochen. Bis dahin dürfte uns aber die unterschwellige Sorge um das nord- und zentralbrasilianische Ertragsniveau begleiten. Brasilien ist die nun mit weitem Abstand wichtigste chinesische Bezugsquelle für Sojabohnen geworden und entsprechend kann nichts die harte Tatsache verbergen, dass eine bedeutsame Ertragsreduktion an dieser Stelle sich in der Preisbildung bemerkbar machen muss! Neben den zu trockenen Bedingungen in Teilen Brasiliens gibt es weitere Probleme in Argentinien, wenngleich hier die Voraussetzungen umgekehrt sind. Die Argentinier melden Dauerregenfälle. Bislang ist das noch kein Problem, aber es sind für die nächsten zehn Tage weitere, ähnlich starke Niederschläge im Forecast. Wenn sich das bewahrheitet, kann es rasch zu Problemen kommen. Beide unvorteilhafte Entwicklungen quittierte der Markt am CBoT gestern mit frisch aufflammendem Kaufinteresse, obwohl beide Dinge seit vielen Tagen bekannt waren. Offenbar musste man erst den Jahreswechsel hinter sich bringen, um sich geistig diesen Faktoren zuwenden zu können.

An der politischen Front gab es auch Neuigkeiten. Es hätte auch verwundert, wenn Donald Trump über alle Feiertage nichts von sich gegeben hätte.  Vergangenen Samstag hatten Trump und Jinping ein langes Telefonat, das nach Aussage des US-Präsidenten hervorragend verlief und eine Einigung im Handelsstreit möglich machen würde. Das hatte Trump zwar am Wochenende bereits getwittert, aber gestern nochmals verbal bestätigt.

 

Der US-Bohnenmarkt nahm diese Nachrichten wohlwollend zur Kenntnis. Ein weiterer Grund für preisliche Freundlichkeit war damit gefunden. Alle sin allem war das ausreichend, die Bohne zweistellig voran zu treiben.

Winnipeg: In Kanada machte sich eine Abfärbung der Bohnenperformance bemerkbar. Canola stieg auch an.

Paris: Die Matif machte in ihrer Bodenbildungsaktivität weiter. Der Markt machte auf, fiel sodann in die Tiefe, konnte isch aber recht rasch wieder fangen, um danach die Verluste aufzuholen. Das passte ins Bild. Unterstützt wurde die gesamte Geschichte gestern auch durch freundlichere Pflanzenölpreise. Wir müssen jetzt sehen, ob man in Paris imstande ist, die Bodenbildung auszubauen. Der Kassamarkt war...ja, was war der Kassamarkt? Keine Ahnung, gestern war nach meiner Wahrnehmung nichts los. Entsetzliche Ruhe...horror vacui, sozusagen.

Was machen wir jetzt? Beenden wir den Marktbericht oder schauen wir noch nach China? Schauen wir nach China!

 

In China grassiert die Afrikanische Schweinepest. Das ist nichts Neues, aber mittlerweile ist die Seuch ein 23 der 31 chineisschen Provinzen offiziell bestätigt worden. Man befindet sich nun in einem großflächigen Abwehrkampf. An Frontverkürzungen und Rückzug in vorbereitete Stellungen ist nicht zu denken. Bedenklich stimmt die Tatsache, dass man jüngst in einigen Blutmehlpartien, die für den Export bestimmt waren, auch den ASP-Erreger gefunden hat. Trotz aller Meldungen über die Schweinepest und der örtlich panikartig vorgenommenen Schlachtungen muss man festhalten, dass die Krankheit noch keine Rückwirkung auf den Schweinefleischimport Chinas hatte.

 

Und wenn wir schon Richtung China blicken, sollten wir doch auch die Bohne in einem Ölsaatenbericht nicht außen vor lassen. Da das Jahr 2018 nun vorbei ist, können wir die Jahre 2017 und 2018 einmal gegeneinander halten. Der Handelsstreit mit den USA hat natürlich seine deutlichen Spuren hinterlassen. Die Amerikaner mussten im Zuge der Vergeltungsmaßnahmen Federn lassen und im Gegenzug konnten sich die Brasilianer über ein entsprechendes Mehr an Exporten freuen.

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