Ölsaatenmarktbericht

Die Sojabohne verdaute den Abwärtsvortag gestern durch Konsolidierung. Sie schaute mal nach unten, dann wieder nach oben, um schließlich mit einer roten Null den Tag zu beenden. In den Produkten sah es prinzipiell nicht anders aus. Auch hier hielt man sich in engen Handelsspannen auf. Das Sojaöl wies am Ende des Tages eine rote und das Sojaschrot eine schwarze Null auf. Irgendwie konnte man gestern den Eindruck gewinnen, dass man gar nicht wirklich handeln wollte, sondern sich eher aus der Verlegenheit stehlen wollte, handeln zu müssen. Das soll kein Vorwurf sein, aber als Kommentator hätte man sich mehr "Action" gewünscht. Zum allgemeinen Handelsunwille kam noch das Schweigen des USDA´s hinzu, das wegen des haushaltsbedingten Shutdowns nicht am arbeiten ist. Entsprechend gibt es keinen, der die regelmäßigen Statistiken vorbereiten und veröffentlichen könnte. Das ist aber kein Umstand, den man bedauern muss. Das Fehlen des USDA´s darf man durchaus einmal als wohltuend empfinden. Zudem rückt es die Prioritäten wieder einmal zurecht und macht deutlich, auf was es wirklich ankommt. Ohne USDA geht der Agrarmarkt auch seinen Gang. Die Versorgung bleibt gesichert. Man stelle sich vor, nicht das Ministerium, sondern die Supermärkte in den USA würden einmal einen zweiwöchigen Shutdown aufs Parkett legen und die Regale nicht nachfüllen. Schon weiß man, was wichtig ist und was nicht. Die Shutdowngeschichte könnte angesichts des unerschütterlichen, emotionslosen Professionalismus des US-Präsidenten, äh,..wegen seines Starrsinns und seiner Gewehrkolbenpolitik, meinte ich natürlich,...durchaus noch ein Weilchen dauern. Denn die Mauer zu Mexiko, für die der US-Präsident gerne die finanzielle Zustimmung des Parlaments hätte, ist in seinem Denken ein politisches Prestigeprojekt, um seiner Klientel zu gefallen. Die Mauer ist überdies im Wahlkampf schließlich versprochen worden! Ein Rückzieher an dieser Stelle käme bei seinen Wählern gar nicht gut an. Aber halt, warte, da war doch noch was! Sollte Mexiko selbst nicht für die Mauer bezahlen? Naja, wie auch immer, zuerst muss man wohl finanzierunsmäßig in Vorlage treten, bevor man sich das Geld über Zölle und Abgaben wieder zurückholen kann. Man kann Trump bedauern, verteufeln oder verfluchen, aber man macht es sich zu einfach, wenn man das politische Phänomen Trump nur eindimensional betrachtet. Man kann seine Gefolgsleute eben nicht wie Schmetterlinge aufspießen und sie an ihren leuchtenden sozialen und wirtschaftlichen Farben identifizieren! Das ist einer der Hauptfehler, den politische Kommentatoren bei Trump machen.

 

Aber kehren wir zurück zur Bohne. Hier wirkten weiterhin die südamerikansichen Regenfälle und der Handelsstreit mit China - beides in der Tendenz eher bärisch. Im Januar wollen sich die Amerikaner persönlich mit den Chinesen treffen, um auf diplomatischem Wege zu einer Einigung zu gelangen. Allerdings wollen die Amis dann konkrete Vorschläge aus dem Reich der Mitte hören. Das hatte man schon vor Wochen angekündigt. Diplomatische Treffen ohne Konkretes auf dem Tisch zu haben, ist dem Weißen Haus von Donald Trump zuwider.

Hinsichtlich China und dem Shutdown sei abschließend noch angemerkt, dass die Chinesen nun die perfekte Situation vor sich haben. Sie können praktsich unter dem Radarschirm fliegen und sich in den USA die Taschen mit Bohnen vollmachen, ohne dass darüber berichtet würde. In früheren Jahren hätte man sich nach einem solchen Zustand die Finger geleckt.

Winnipeg: In Kanada gaben die Canolapreise teilweise stärker nach und testeten die Unterstützung bei 480,- Can$. Dieses Level hat gehalten, und die Berührung mit ihm löste frisches Kaufinteresse aus, das den Preis wieder anhob. Das war ne knappe Geschichte. Ohne die Erholung hätte sich das Gesamtbild aber sehr bärisch eingefärbt - zumal man im Frontmonat ein Zweijahrestief touchierte.

Matif: Ach die Matif in Paris...- Paris! Oh, du Stadt gewordene Lebenslust, du "Fest fürs Leben", wie Hemingway einstens schrieb. "Fest fürs Leben" vielleicht, aber ganz sicherlich kein Fest für den Raps! Die Rapspreise wiesen gestern einen schwach unterfütterten und im Kern ohnmächtigen Rallyeversuch auf, bevor man unter sich selbst zusammenkrachte und die Marke von 360,- € testete. Es ging mit Momentum nach unten. Jetzt gilt es die Frage zu klären, ob wir eine bedeutungslose Jahrezwischenentwicklung vor uns haben oder ob wir die Sache ernst nehmen müssen. Erst einmal war das Handelsvolumen für einen Handelstag zwischen Jahren verdammt hoch. Das spricht für die Ernsthaftigkeit. Und zum zweiten sind die Rübölpreise in Rotterdam weitzer gefallen und haben auf Termin die 700,-€-Marke an die Bären abgegeben. Auch das ist eher ein ernsthaftes Argument. Das "Fallen wie ein Stein" gibt aber einen Hinweis auf Kapitulation der Verkäufer und darf Bodenbildungsphantasie auslösen - zumal der Markt nun auch deutlich überverkauft ist.

Der Schlüssel dürfte im Rotterdamer Rübölpreis liegen. Wenn er die 700 strukturell hergegeben hat und weiter fällt, wird das irdische Ungemach in Sachen Raps sicherlich weiter zunehmen.