Weizen-wirklich so baerisch?

• Überseeische Getreidemärkte wenigstens am CBoT fester - Chicago-Weizen und -Mais ziehen an

• Trockenheitsnester im Mittelwesten als teilweise bedrohlich für Ertragspotantial angesehen - Bohne und Mais steigen

• Weizen bekommt Aufwind und wird aus technischen Gründen höher getragen - Chartbild hat sich aufgehellt

   • • Indexfonds sollen strukturelle Positionsrollungen vorgenommen haben

• Fonds sollen gestern 11 tsd lots Mais, 7,5 tsd lots Bohne und 6500 lots Weizen am CBoT gekauft haben

•  insgesamt herrscht in den USA aber immer noch eine abwartende Haltung, weil am Montag der wichtige Report kommt

• AgriMer sieht den franz. Weizen zu 98% abgeerntet (87% Vorwoche); Sommergerste komplett gedroschen

   • • franz. Körnermaisbestände zu 60% in gut bis exzellentem Zustand

• Saudi-Arabien entschärft seine Qualitätsanforderungen bei Weizen und öffnet damit seinen Markt für Schwarzmeerware

   • • das könnte eine negative Rückwirkung auf das europäische Exportpotenial haben - müssen wir wohl abwarten

• Argentinien meldet die Aussaat der größten Weizenfläche in 20 Jahren in Rekordzeit als abgeschlossen

   • • Soso - die Argentinier haben in Rekordzeit ausgesät - interessant! Üblicherweise geht das nur bei (zu) trock. Beding.

• ukrainische Getreideexporte der neuen Kampagne haben mittlerweile 4,7 mio to erreicht (1,9 mio Weizen; 1,1 Gerste)

• wöchentliche US-Exporte liegen bei 487,7 tsd to Weizen, 239,5 tsd to Mais und 419,8 tsd to Bohne

• Brasilien sieht seine 2018/19er Maisexporte bei nun 34,5 mio to (33,5 Vormonat; 23,8 mio to im Vorjahr)

   • • Sojabohnenexporte von 68 auf 70 mio to aufwärtskorrigiert (83,2 in 2017/18); Sojaproduktion 115 mio to (uv)

   • • Zweitfruchtmaisproduktion bei 73,0 mio to gesehen (72,35 mio to zuvor; 53,8 im Vorjahr); Mais komplett 99,3

• russische Weizenexporte in der zweiten Kampagnenhälfte 2018/19 lagen bei 10,6 mio to

• Matifweizen hat gestern wohl den Grund unter sich ausgelotet - nach weiteren Verlusten konnte man wieder steigen

   • • der Dezembertermin konnte dabei die Unterstützung bei 175,- €/to auf Schlusskursbasis verteidigen

• Nachtbörsenvorgaben einen Schatten schwächer

Noch einmal ein paar Gedanken ums Getreide...

Des einen Freud, des anderen Leid. Die Afrikanische Schweinepest hat fürchterlich in China gewütet und die Bestände dezimiert. Genau genommen ist sie noch dabei, dies zu tun. Auch wenn man nicht genau weiß, wie desaströs es tatsächlich ist, man muss vom Schlimmsten ausgehen.

Auf der anderen Seite gibt es Profiteure. Beispielsweise die Entenmäster. Sie haben gute Chancen, demnächst Millionär zu werden. Der Durchschnittspreis für Entenfleisch hat sich im letzten Jahr fast verdreifacht. Mittlerweile kosten Enten fast die Hälfte von Schweinefleisch. Demgegenüber hat sich Hähnchenfleisch kaum verteuert. Hier schlagen "nur" etwa 20% zu Buche. Die Ankündigung der Chinesen, überhaupt keine us-amerikanischen Agrarprodukte mehr einführen zu wollen, wird die Situation kaum entspannen. Die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen Fleischprodukten ist bereits jetzt ein Problem, das sich weiter verschärfen wird.

Die handelspolitische Aussperrung us-amerikanischer Agrarwaren hat einen Hintergrund: Donald Trump. Aus dem diplomatischen Gezerre ist eine waschechte Konfrontation geworden, deren Fronten sich verhärtet haben. Mit der Hand des Würgers an der Kehle hat man Gegenmaßnahmen gegen die US-Zollankündigung ergriffen. Die Chinesen scheinen zu glauben, dass Nachgiebigkeit den Feind nur zu noch härten Maßnahmen herausfordern würde – und dürften damit richtig liegen! Soll man den Chinesen vorwerfen, dass ihre Reaktionen auf die Trump´schen Anwürfe ein beklagenswerter Mangel an Weitblick und Einsicht kennzeichnet? Das gilt wenn überhaupt, dann für beide Seiten gleichermaßen und entsprechend müsste Kritik geübt werden.

Aber die jüngsten Schritte der Chinesen besitzen eine gewisse verzweifelte Logik, denn sie haben unausweichliche Rückwirkungen für den eigenen Markt, der durch die ASP so ungeheuer angespannt ist. Die Chinesen sind aber viel zu klug, als dass sie das aus Dummheit getan haben könnten. Insofern können sie nicht in völliger Unkenntnis des Unheils sein, das sich da vorbereitet und weiter heranwächst. Wenn man die USA bei Agrarprodukten vollkommen rauskegelt, dann muss man nach Alternativen suchen (Überrschung: China hat 60 tsd to US-Weizen HRW gekauft!). Nahrungsmittel werden in China gebraucht und müssen produziert und/oder beschafft werden! Selbst wenn man unterstellte, dass man mirnichtsdirnichts auf andere Fleischbezugsquellen in unbegrenzter Menge Zugriff hätte, machte dies die Frage nach dem pflanzlichen Umfeld nur um so dringlicher. Es gibt viele Dinge, die man registrieren muss und bedenken darf.

Schauen wir auf die USA. AccuWeather hat in seiner jüngsten Prognose die US-Maisernte mit 13,07 Mrd bushels veranschlagt. Das wären -9,3% zu 2018 und läge nochmals 5,8% unter der letzten USDA-Prognose. Hinsichtlich der Bohne meint AccuWeather die US-Produktion mit 3,9 Mrd bushels prognostizieren zu dürfen. Das läge 14,1% unter dem Vorjahr und wäre die kleinste Ernte seit 2013. Und das sind noch gute Aussichten. Die Universität von Ohio war jüngst pessimistischer. Hier hat man den durchschnittlichen Maisertrag für die USA in 2019 auf äußerst magere 135 bu/Acre geschätzt. Man verglich dieses Jahr, das extrem nass war, mit dem letzten Nässejahr 2010/11. Damals brachte man es auf 155 bu/Acre. Da dieses Jahr nochmals erheblich schlechter war, meint man, diesen Horrorertrag bei Mais schätzen zu dürfen. Aber das Ungemach beschränkt sich nicht nur auf die USA. Die russische Weizenernte ist deutlich zusammengeschrumpft und dürfte nicht wesentlich über 75 mio to liegen – wenn überhaupt. Die Exporte sind von SovEcon zuletzt um satte 6,2 mio to auf 31,4 mio to zusammengestrichen worden. Mit den Kanadiern liegen die Chinesen auch über Kreuz, weil sie bei der Verhaftung und Auslieferung der Huawei-Managerin kräftig mitgeholfen haben. Die Chinesen müssen überlegen, ob sie dieses Verhältnis nicht ernsthaft entspannen wollen. Der IGC hat die Weizenproduktion Kanadas zuletzt bei 32,0 mio to gesehen. Die Bestände sind vielerorts Witterungsstress ausgeliefert, sodass man mit weiteren Abwärtskorrekturen rechnen muss. Anderes und eigenes Ungemach hatten wir bereits kürzlich angesprochen.

Zu Hause wird fast schon verzweifelt versucht, mit endlosen Kreditprogrammen die Produktion anzukurbeln. Aber das läuft größtenteils alles ins Leere und zeigt keine Effekte. Mit einer Ausnahme: Aquakulturen. Das scheint zu klappen, aber eine Produktionserholung im Schweinebereich liegt in weiter Ferne - da hilft derzeit auch kein Geld. Und während man sich dennoch darüber Gedanken macht, ist das Armywormproblem exponentiell angewachsen. Es mag übertrieben sein, aber laut Aussage einiger Analysten in China, müsste man wegen der Plage mit einem Maisverlust von 35% (!) rechnen. Und das ist kein Pappenstiel mehr.

China wird mittel- und unmittelbar das Nachfragezentrum für Veredelungsprodukte schlechthin darstellen, und andere müssen und werden für sie produzieren! Diese Tiere brauchen Futter, und das muss beschafft werden. Wir haben trotz aller momentanen angebotsseitigen Preisbelastungen bei Weizen und Mais exzellente Chancen, dass im Kampagnenverlauf die Nachfrage das Angebot aussticht und die Preise deutlich steigen.

Es ist nicht möglich, dass unter den gegenwärtigen Umständen die Bullen vollständig ausgestorben sind, weil wir selten einen solch exzellenten Nachfrageausblick hatten. Aber am Montag steht der USDA-Bericht an. Er hat Sprengkraft und könnte die allgemeine Datenlage signifikant verschieben und nochmals Trends auslösen, die keiner auf dem Schirm hat. Davor hat man Respekt - und zwar zu recht.

Wenn dieser Klotz aus dem Weg geräumt ist, werden sich irgendwann auch wieder Bullen melden und in den Markt einsteigen. Warum sollen wir an der Matif nicht hinten raus die 190 durchstoßen und uns in Richtung 200,- € bewegen?

Naja, etwas gäbe es da schon, dass bei uns einen Schock auslösen könnte - die Ankunft der ASP in den europäischen Schweinehochburgen! Im Juli sind die Seuchenfälle in Osteuropa bedrohlich stark angestiegen! (Siehe Ölsaatenbericht).

Um den gesamten Marktbericht einzusehen, klicken Sie hier:SCHWZ08082019