Ölsaaten beugen sich marktremdem Verkaufsdruck

Die Sojabohne bekam gestern Prügel und zog sich beleidigt von der 200-Tagelinie zurück. Am Ende stand ein zweistelliger Verlust; die Julibohne büßte 10 3/4 cts/bu ein und schloss bei 9,01 3/4 US$/bu. Damit schlug sie auf der 9,- US$-Marke auf, die in der Vergangenheit schon desöfteren als Unterstützung hat herhalten müssen.

Beide Produktkomponenten waren ebenfalls im Minus. Der gesamte Sojakomplex war/ist in eine Aura der Unbestimmtheit gehüllt. Der eigene Bewegungsspielraum für martwirtschaftliche Preisbildung ist durch die veränderten politischen Rahmenbedingungen (Handelsstreit) sehr eng umzäunt worden. Innerhalb dieses Freigeheges können sich Bullen und Bären zwar noch etwas bewegen und ein paar pflanzenbauliche Nachrichten umsetzen, aber an die artgerechten Reviergrößen von weiten Prärien und endlosen Wäldern ist momentan ganz und gar nicht zu denken. Bullen und Bären sind aus dem Dschungel der Marktwirtschaft in den politischen Zoo gesteckt worden. Wann die Tore aufgehen, weiß niemand.

Aus dem Weißen Haus heißt es nur, dass man eifrig weiter verhandle und alles auf dem Tisch läge. In diese Situation brachen gestern die Geschehnisse des Weizenmarktes ein. All überall gab es dort Verluste zu beklagen.

In Kansas und in Minneapolis wurden wegen guter Bestandsbonitierungen und erwarteter Aussaataufnahme die Preise sogar auf neue Kontrakttiefs geschickt. Die Witterungsextreme (Überfutungen und sich anbahnende Trockenheit) wurden vom Markt zum jetzigen Zeitpunkt als irrelevant zurückgewiesen.

Das ließ auch die Bohne nicht kalt. Die Funken flogen aus dem Getreidebereich in den Ölsaatensektor und drückten auch dort die Kurse. Die Bullen dachten überhaupt nicht daran, sich zur Wehr zu setzen. Sie lagen nur faul in ihrem Gehege und käuten müde wieder. Der gesamte US-Bohnenmarkt ist nur noch ein Zerr- und Vexierbild frühere Tage.

Ohne eine politische Lösung zwischen den USA und China, die Klarheit über die neue Sitaution schafft, fehlen den Marktteilnehmern die Orientierungspunkte. Wer kann ohne Karte und Kompass seinen Weg finden? Gut, heutzutage sind es die GPS-Geräte, die den Weg für einen finden, aber die politischen Satelliten senden derzeit nun einmal keine Signale aus. Basta!

Winnipeg: In Kanada geht der Stillstand mit unverminderter Härte weiter. Politik lähmt alles.

Matif: Die Rapspreise an der Matif konnten sich negativen Vorgaben aus Übersee nicht entziehen. Auch hüben des Atlantiks schlugen Verluste zu Buche. Die neuerntigen Rapspreise lösten sich von der 200-Tagelinie und machten sich auf, den 50-Tage-EMA zu testen. Bislang wurde dieser Test bestanden. Die Rapsölnotierungen in konnten ihr Niveau verteidigen. Man befürchtet aber, dass mit Anbruch der Sommersaison und damit veränderter Biodieselrezepturen das Niveau nicht gehalten werden kann. Dem gegenüber steht aber das Kaufinteresse aus China! Die Chinesen werden unserem Rapsölmarkt wohl mehr als nur eine Stippvisite abstatten. Mit Wegfall der kanadischen Saat, muss man sich nach Alternativen umschauen. Welche Blüten diese Suche treiben wird, steht in den Sternen. Kaufen sie neuerntigen Raps in der Schwarzmeerregion, um ihn im Reich der Mitte zu schlagen - wer weiß?

Gestern kam die Raiffeisenverbandsschätzung heraus und bezifferte die deutsche Rapsernte mit 3,24 mio to. Das ist ein Minus von 11,6% zum Vorjahr. Flächeneinbußen infolge ungünstiger Witterung im letzten Jahr ist die Ursache hierfür. Am Kassamarkt war einmal mehr tote Hose.