Ölsaatenmarktbericht

Die Bohne konnte gestern bei hohem Handelsvolumen zulegen. Der Maitermin packte über 8 cts/bu drauf und schloss bei 9,24 1/4 US$/bu. Beide Produktkomponenten legten ebenfalls zu, wobei die Zugewinne des Sojaöls deutlich stärker ausfielen. Nach wie vor regiert die politische Volatilität die Märkte! Aus verschiedenen Quellen waren Kommentierungen über die sino-amerikanischen Handelsgespräche zu vernehmen. Eins vorweg, keiner der Kommentare war in wünschenswerter Klarheit abgefasst. Stattdessen druckste alles herum. Aber das war auch nicht anders zu erwarten, denn bei solchen diplomatischen Gratwanderungen gähnen links und rechts die Abgründe, in die keiner stürzen möchte. Entsprechend vage wird formuliert.

Gott sei Dank, sind wir da anders, liebe Freunde des klaren Wortes! In unserer Vorstellungswelt wird eine frisch ausgeschiedene, noch dampfende und übelriechende Akkumulation von Fäkalien noch am besten mit dem Wort "Scheiße" beschrieben. Und mit dieser Direktheit wollen wir doch einmal versuchen, das, was gestern über die Handelsgespräche berichtet wurde, umzuformulieren. Das Thema sachlich klar ins Auge und sprachlich klar in Worte zu fassen, muss das Ziel sein. Das Problem ist nur, dass wir auch nicht mehr wissen, als das, was über die offiziellen Nachrichtenkanäle kam. Dennoch lässt sich einiges sagen. Erstens, es muss deutliche Annäherungen gegeben haben, denn sonst hätten die Märkte nicht so reagiert, wie sie für den Augenblick reagiert haben. Zweitens, die Chinesen besitzen aller Wahrscheinlichkeit nach ein höheres Maß an innerer Uneinigkeit als die Amerikaner. Darauf deuten verschiedene Dinge hin, nicht zuletzt die wilde Sprunghaftigkeit mit der die Chinesen die Gespräche flankieren. Gestern gab es plötzlich mirnichtsdirnichts das Zugeständnis für 30 Mrd US$ mehr US-Agrarprodukte zu kaufen. Zum einen braucht man die natürlich, das ist klar, aber das bewußte Beweglichhalten dieses Trumpfes, um ihn im Zuge der Verhandlungen immer mal wieder auszuspielen deutet darauf hin, dass es an anderer Stelle Zwistigkeiten gibt, die auch in China kontrovers diskutiert werden. Es muss Dinge geben, in denen man sich eben nicht angenähert hat, weil man sich in China uneins ist, ob man sich überhaupt annähern soll!

 

Übrigens gibt es eine nette Posse aus den Handelsgesprächen zu berichten, die es wert ist, wiedergegeben zu werden. Die Amerikaner werfen den Chinesen seit über zehn Jahren vor, sie würden sich durch die Manipulation ihrer Währung unanständige Vorteile im Welthandel erschleichen. Die Währungsmanipulation müsse aufhören. Zuletzt hatten die Chinesen den Außenwert des Yuans abgesenkt, um die Strafzollmaßnahmen aus den USA zu kontern. Nun aber haben die Amerikaner die Chinesen aufgefordert, ihre Währung in engen Korridoren zu halten. Mit anderen Worten, Manipulation ist grundsätzlich ok, aber bitte schön in unserem Sinne.

Wie wird es wohl mit der Bohne weitergehen? Wir haben keine Ahnung. Wir sehen nur das hohe Handelsvolumen von gestern, das offensichtlich einen Haufen Shortcovering ausgelöst hat. Das mag ein Indiz dafür sein, dass sich die Grundsatzstimmung im US-Sojamarkt aufgehellt hat.

In Kanda und an der Matif gab es aus den gleichen Gründen Zugewinne im Raps....keine Zeit mehr.