Ölsaatenmarktbericht

Die Sojabohne kann offenbar nur noch auf der Stelle treten! Gestern gab es schon wieder keine nennenswerte Kursverschiebung. Der Schlusskurs der Maibohne lag 1 1/2 cts/bu über Vortag bei 9,35 3/4 US$/bu. Im Produktenbereich machte sich eine altbekannte Spreizung der Preisbewegungen erneut bemerkbar. Das Schrot legte den Rückwärtsgang ein, aber die Sojaölpreise bauten ihre Festigkeit aus und attackierten nun sogar den nächsten Hauptwiderstand. Das Mai-Sojaöl hat nach ordentlichem Zugewinn die Marke von 31,- cts/Ibs durchstoßen und darüber geschlossen. Der Marktdruckindikator (Methode Agrartrends) ist kurz vorher positiv gedreht und warf ein Streiflicht auf die günstige Ausgangssituation. Rein charttechnisch ist mit dem Durchbruch der Weg nach oben bis 32,- cts frei! Zieht man einen Strich unter die gestrige Handelssitzung beim Soja, muss man festhalten, dass es insgesamt ruhig zugegangen ist und sich die Händler auf den morgigen WASDE-Report eingestellt haben (siehe Kommentar gestern). Ansonsten gab es weiter Meldungen von der Exportfront. Das Reich der Mitte buchte weitere 586 tsd Tonnen Sojabohnen aus den USA, was die Serie an gemeldeten Exportgeschäften nahtlos auf über 4 mio to bringt. Und da sind die Geschäfte an "unknown destinations" noch gar nicht drin. Wir wissen alle, dass man keinen Fehler macht, wenn man die Bohnenexportgeschäfte der USA an unbekannte Destinationen dem Konto der Chinesen gutschreibt. Aber Vorsicht, wir dürfen nicht alle Meldungen kritiklos hinnehmen - dafür sind wir auch nicht bekannt. Vielmehr ist es unsere Pflicht, auf die Möglichkeiten hinzuweisen, die sich aus der politischen Hintergrundkulisse zwangsläufig ergibt. Die Chinesen sitzen nun mit den Amerikanern an einem Tisch, und die Chinesen fangen an, Sojabohnen us-amerikansicher Herkunft zu kaufen. Hier einen politisch-diplomatischen Hintergrund zu vermuten, liegt auf der Hand und muss nicht mehr weiter ausgeführt werden. Die Chinesen wollen einfach die Stimmung aufhellen und ihre Verhandlungsposition durch derartige Zugeständnisse verbessern, punkt aus. Aber die Tatsache, dass die Chinesen Bohnen kaufen, heißt nicht unbedingt, dass diese auch tatsächlich geliefert werden. Denn wenn die Handelsgespräche mit den Amerikanern keine zustimmungsfähigen Kompromisse abwerfen und man wieder im Streit auseinander geht, dann darf es uns nicht wunder nehmen, wenn die Chinesen bei der Qualitätskontrolle der US-Bohnen plötzlich auf "unzulässige Abweichungen" stoßen. 

 

Da mögen dann plötzlich eingebildete Pilzsporen in den Bohnen liegen, die die Entladung an chinesischen Importhäfen verhindern und dergleichen mehr. Wir kennen eine derartige Praxis aus dem Rapsmarkt. China hat nämlich schon häufiger canadische Canolapartien mit den gleichen fadenscheinigen Ausreden gestoßen. Insofern bedeutet der US-Bohnenexport nach China noch nicht, dass "gekauft" mit "geliefert und bezahlt" gleichgesetzt werden darf. Diese Möglichkeit gilt es im Hinterkopf zu behalten.

Ansonsten verwiesen einige Kommentatoren nochmals auf die örtlich zu trocknenen Bedingungen in Brasilien. Entsprechende Anpassungen hatten einige Analystenhäuser bereits gemacht. Etwas substanziell Neues wurde aber nicht kommuniziert. Offenbar wollte man den Punkt nur nochmals erwähnen haben.

Winnipeg: In Kanada gab es gestern leicht steigende Kurse. Die Bohne war zwar nicht unbedingt fester, aber das Sojaöl. Und hieraus konnten die kanadischen Rapsnotierungen Honig saugen. Die Zugewinne mögen zwar ganz hübsch gewesen sein, aber sie sind charttechnisch bedeutungslos geblieben. Man konnte nicht einmal die nächste Widerstandslinie überschreiten und sich den nächsten Hauptwiderstand in Form des 50-Tage-EMA´s vorlegen. Das war dann doch etwas enttäuschend.

Matif: Unsere Rapspreise hatten auch nicht vielmehr auf Lager, aber es gibt doch einen ganz entscheidenden Unterschied, denn wir ringen derzeit mit der 200-Tagelinie! Das ist aus charttechnischem Blickwinkel extrem bedeutsam. Die Rapspreise hatten vorgestern in einer Schrecksekunde den Durchschnitt an die Bären abgegeben. Wir wiesen darauf hin und sagten, dass man eine derartige Verletzung tolerieren könne, falls der Markt imstande sei, die Wunde schnell zu schließen. Nun, die Wunde ist schnell geschlossen worden. Wenn das so bleibt, ist alles gut!